Interview "Gestatten: Gartz, Zacharias..."
Relief am Portal von St. Gotthardt
Zacharias Gartz (oder mit latinisiertem Namen Garcaeus) war
bis zu seinem Tod 1585 als Stadtschreiber in Brandenburg tätig. Das Gespräch
mit ihm hat Stadtschreiberin Isolde alias Ann Brünink geträumt. (aus ZACHARIAS Heft 2, Frühling 2005)
Isolde: Seien Sie gegrüßt, lieber Herr Gartz. Oder darf ich
Sie einfach Zacharias nennen? Wir haben nämlich unser Stadtmagazin nach Ihrem
Vornamen benannt., weil Ihr Wirken als Stadtschreiber in der Stadt Brandenburg
bis heute Spuren hinterlassen hat.
Zacharias: Oh, das freut mich aber sehr! Haben Sie vielen
Dank für diese Ehre! Und bitte sehr, natürlich können Sie mich Zacharias
nennen.
Isolde: Leider kennt Sie nicht jeder. Darum habe ich für
meinen ersten Auftritt als Stadtschreiberin im "Zacharias" die
Aufgabe übernommen, Sie unseren Lesern vorzustellen. Geboren sind Sie am 11.
Januar 1543 in Pritzwalk. Manche behaupten, es sei ein Jahr später gewesen. Was
stimmt?
Zacharias: Wissen Sie, das war vor mehr als vierhundert
Jahren. Nach so langer Zeit weiß ich es selbst nicht mehr ganz genau. So, Sie sind also Stadtschreiberin für das Stadtmagazin
"Zacharias"? Müssen Sie da die Ratsbeschlüsse eintragen, so wie ich
seinerzeit in das Stadtbuch?
Isolde: Nein, dafür gibt es heutzutage das Amtsblatt.
"Zacharias" will seine Leser unterhalten und ihnen Lust machen auf
die Havelstadt.
Zacharias: Hm. Das ist mir gleich aufgefallen.
"Zacharias" vermittelt den Eindruck, dass die Stadt Brandenburg Anno
2005 bunt und lebendig ist und viel zu bieten hat.
Isolde: So ist es ja auch. Aber viele Leute wissen das gar
nicht. Deshalb berichten wir darüber, was es Neues und Schönes zu erleben gibt
in unserer Stadt. Hier ist nämlich zu jeder Jahreszeit eine Menge los. Aber bitte, lieber
Zacharias, erzählen Sie noch ein wenig mehr über sich. Können Sie sich noch an
Einzelheiten Ihres Werdeganges erinnern?
Zacharias: Aber natürlich. Nach meinem Studium - ich habe an
der Universität Wittenberg sieben Jahre lang Jurisprudenz, Medizin und
Astrologie studiert - haben mich die Pritzwalker zum Rector ihrer höheren
Schule bestellt. Das war damals eine große Ehre. Drei Jahre bin ich dort
geblieben. Aber meine Hauptwirkungsstätte war die Stadt Brandenburg, von der es
damals ja noch zwei gab, nämlich Brandenburg Neustadt und Brandenburg Altstadt.
Isolde: Richtig, Sie wurden Ostern 1575, glaube ich, als
Rector an die Brandenburger Lateinschule berufen, die in der Altstadt lag.
Zacharias: Genau. Gibt es die eigentlich noch?
Isolde: Aber ja, das Haus gibt es noch. Nur Latein wird da
nicht mehr gebüffelt. Nach umfassender Renovierung residiert jetzt dort die
"Galerie Sonnensegel", das ist eine Kunst- und Zeichenschule für Kinder
und Jugendliche.
Zacharias: Ach, das freut mich aber sehr. Aber Sie wollten
noch mehr über mein Wirken von damals wissen. 1576 hat mich der Rat der
Altstadt Brandenburg als Stadtschreiber eingesetzt, darüber sprachen wir ja
schon. Was aber vielleicht nicht jeder weiß: In dieser Position hatte ich auch
die Verantwortung für den Stadthaushalt. Außerdem gehörte das Amt des
Beisitzers und Schreibers am Schöppenstuhl auch dazu.
Isolde: Nun, damals war offenbar alles noch viel
übersichtlicher. Heute wäre diese Häufung von Ämtern und Aufgaben für einen
Einzelnen gar nicht mehr zu leisten. Um die Finanzen der Stadt kümmert sich der
Kämmerer. Und die Aufgaben des damaligen Schöppenstuhls - dorthin wurden
ungeklärte Rechtsfälle aus dem ganzen Land zur endgültigen Entscheidung
delegiert - die nimmt heute das Oberlandesgericht war.
Zacharias: Ja, es hat sich offenbar vieles verändert. Was
mir besonders aufgefallen ist: Die Stadt ist heutzutage von allen Seiten völlig
frei zugänglich. Zu meiner Zeit musste man sich an den Stadttoren ausweisen und
die Händler mussten auf ihre Waren Zoll und Steuern entrichten.
Isolde: Um Himmelswillen nein, Stadttore gibt es schon lange
nicht mehr. Im Gegenteil, heutzutage tut man viel, damit Besucher, Händler und
Investoren möglichst zahlreich in die Stadt strömen.
Zacharias: Aha. Und welche Rolle spielt das Stadtmagazin
dabei?
Isolde: "Zacharias" ist sozusagen der Spiegel
unserer Stadtkultur. Wir berichten über das Wirken engagierter Bürger und
Bürgerinitiativen, bieten ihnen eine Plattform. Wie beispielsweise den
Geschäftsleuten in der Stadt. Sie tun sich zusammen und entwickeln viele schöne
Ideen, um für ihre Kunden den Aufenthalt in der Innenstadt möglichst attraktiv
zu machen. Auch darüber schreiben wir.
Zacharias: Engagement von Bürgern ist sehr wichtig. Das war
schon zu meiner Zeit so.
Isolde: Nicht so
bescheiden, lieber Zacharias. Sie selbst sind doch das berste Beispiel für
Bürgerengagement. Haben Sie nicht damals in Ihrer Freizeit eine Chronik über
das Land Brandenburg geschrieben, noch dazu die erste, die es überhaupt jemals
gab? Übrigens das Bild, das Sie 1782 von der Stadt Brandenburg für diese
Chronik gemalt haben, das gibt es immer noch. Es ist die älteste erhaltene
Stadtansicht, die wir haben.
Zacharias: Es freut mich, das zu hören. Das ist sozusagen
der Brückenschlag, der vier Jahrhunderte überspannt. Ich wünsche dem
Stadtmagazin "Zacharias" , dass ihm viele Brückenschläge von Mensch
zu Mensch gelingen mögen.
Isolde: Das ist ein
schönes Schlusswort. Ich danke Ihnen für das Gespräch.