Brandenburg an der Havel Deine Hunde
Ich bin ein Hund.
Sehen Sie, Sie glauben es mir nicht. Ich hatte es meinem Herrchen gleich gesagt, dass es Probleme geben würde. Ganz offen: Wir, mein Herrchen und ich, sind vor einigen Monaten übereingekommen, dass ich auch ab und zu Mal etwas schreiben könnte, wenn es thematisch passt. Nachdem ich mich in sein Textverarbeitungsprogramm eingearbeitet hatte, stand nun nichts mehr der Abmachung im Weg. Wer kann über Brandenburgs Hunde besser schreiben: Er oder ich? Na, also! Zuerst möchte ich meine Sympathie für Brandenburg an der Havel bekunden. Obwohl ich öfter Sprüche höre wie: „20% auf alles, außer Tiernahrung“.
Gerettet nach einem Jahr völliger Verwahrlosung.
Das gibt mir schwer zu denken. Aber, wenn dann der Fressnapf wieder von meinem Herrchen gefüllt wird, ist mir die Reklame schon entschieden gleichgültiger. Wo waren wir stehen geblieben? Brandenburg an der Havel. Ah ja. Vorbildlich ist hier vor allem, dass wir eigene Bandestrände haben. Am Wiesenweg, in der Neustadt ist es herrlich. Man trifft nette Hundemädels, und das Wasser ist genießbar. Was geht schon im Sommer über einen Schluck Havelwasser. Und wenn man genug hat, wirft Herrchen einen Stock in den Fluss und man kann schwimmen. Schade nur, dass so viele Boote in der Flussmitte randalieren. Da kann man als Hund schon nervös werden. Erwähnenswert sind auch Brandenburgs Hundesalons: In der Schulstraße, der Feuerwehrgasse, dem Nicolaiplatz, Zu den Eichen, in der Großen Gartenstraße, am Walter-Rathenau-Platz – Salons soweit das Auge reicht.
Gibt es eigentlich einen Sozialtarif für uns? Ich erhalte von meinem Herrchen zum Beispiel kein Taschengeld. Es sollte uns daher ein Sozialtarif beim Frisör angeboten werden. Dann könnte ich auch mal allein losziehen und mir die Locken schneiden lassen. Sind Sie schon mal im Tierheim gewesen? Ich persönlich schwanke noch hin und her in der Beurteilung. Man hat natürlich eine fantastische Auswahl an netten Kollegen. Und Mädels. Aber dass sie alle käuflich ein sollen – ein Hund für 200 Euro – das kann ich kaum glauben. Ich konnte mein Herrchen überzeugen, letztens mal ein paar Dosen zu spendieren. Aber denken Sie, die Hundekollegen hätten mich hinterher freundlicher behandelt?
Tssst. So ist die Welt.
Auf der Jahrtausendbrücke: Ein schöner Kerl, dank einer Prise Husky.
Hinter der St. Gotthardtkirche schlummert dieses Bärchen.
Wenn ich mit meinem Herrchen abends noch ein Weilchen zusammensitze, während die Sonne, rot wie Blutwurst, am Horizont versinkt, dann reden wir über die herrlichen Möglichkeiten, die Brandenburg an der Havel für Hunde bietet. Die Ehrgeizigen unter uns können zur Hundeschule gehen. Da können sie dann testen, wer klüger ist: sie oder ihr Herrchen. Gut, dass die Ergebnisse nicht veröffentlicht werden. Aber wir sind schließlich ein Team: Unsere Frauchen oder Herrchen mit Hund. Manchmal ist es einfach ein großer Trost, dass ein goldenes Herz auch in einem Herrchen steckt, das die Aufschrift auf den Fresstüten nicht lesen kann. Hauptsache er kauft kein Katzenfutter. Jetzt noch etwas Grundsätzliches zur Kleiderordnung für uns. Ich persönlich bin ein reiner Verfechter der Freikörperkultur für Hunde: Kein Halsband, kein Maulkorb, kein Regenmantel und auch keine Schleifchen. Aber als ich letztens die „Hundehalterverordnung“, also die „Ordnungsbehördliche Verordnung über das Halten und Führen von Hunden“ las, wurde mir klar: die Menschen meinen es ernst.
Rassehund rast auf Rasen.
Verträumte untere Etage im Eiscafé in der Hauptstraße.
„Die Leine muss reißfest sein und darf ein Höchstmaß von zwei Metern nicht überschreiten.“ Diese Spielverderber! Sind sie schon mal zwei Meter hinter einem Radfahrer hergesprintet und haben dann entdeckt, dass zwei Meter unfair sind? So kann man als Hund niemanden erwischen. Oder das hier: „Eine Person darf nicht mehr als drei Hunde gleichzeitig
führen.“ Alles darf man nicht. Die Vielehe für Menschen haben sie auch schon verboten. Meine Güte, wie halten die Menschen das bloß aus? Ein Hundeleben wäre es ohne die Gesellschaft von Hundefreunden. Es können eigentlich nie genug Hunde sein. Und wenn man uns nur ließe, das wäre ein Heidenspaß. Übrigens: Wussten sie, dass „Zum Faulen Hund“ der Name einer Autowerkstatt ist. Ich werde sie meinem Herrchen mal empfehlen.
[Text und Bilder: Alexander Mühle]