Die Stadttore
Wussten Sie, dass Brandenburg an der Havel einst insgesamt 10 Stadttore
besaß?
Die Altstadt und die Neustadt waren ja bekanntlich zwei
eigene Städte, aus denen im Jahre 1715 die gemeinsame Stadt Brandenburg an der
Havel erwuchs. Beide Städte, die jeweils links (Neustadt) und rechts (Altstadt)
der Havel lagen, waren zur Stadtbefestigung von fünf mittelalterlichen
Wehranlagen umgeben.
In der Altstadt bildeten das Plauer oder Luckenberger Tor,
das Rathenower Tor, das Mühlentor, das Wassertor und das Neue Tor den Zugang
zur Stadt. In der Neustadt gab es ebenso ein Wassertor, ein Neues Tor und ein
Mühlentor. Den Kreis der fünf Wehranlagen komplettierten dort auf dem linken
Havelufer das Steintor und das St. Annentor.
Die Stadttore lagen neben den Türmen, die sie beherrschten
und verteidigten. Sie zeigten in die Richtung, in die die jeweiligen Straßen
führten und bekamen auf diesem Weg auch ihren Namen. Heute existiert keines der
Stadttore mehr. Sie wurden im 18. Jahrhundert, spätestens aber am Anfang des
19. Jahrhunderts abgerissen, da sie dem wachsenden Verkehr immer mehr zum
Hindernis wurden.
Aus beiden ehemaligen Städten sind allerdings noch je zwei
Türme übrig geblieben: In der Altstadt der Rathenower und Plauer Torturm und in
der Neustadt der Stein- und der Mühlentorturm. Alle anderen fielen ebenfalls
den Abrissplänen zum Opfer.
Der Mühlentorturm stammt aus dem Jahr 1411. Mit seiner
achteckigen Form und den fast 29 Metern Höhe zählt der Turm zu den
ungewöhnlichsten und baukünstlerisch qualitätsvollsten Befestigungstürmen der
Mark Brandenburg. Er ist zudem eines der seltenen Beispiele für die
inschriftliche Überlieferung von Baujahr und Baumeister bei einem Befestigungsbau
aus dem Mittelalter und unterscheidet sich deutlich von den anderen Türmen
durch die kirchenfensterähnlichen Mauerwerkblenden.
An den Mühlentorturm schloss sich einstmals die Stadtmauer
an, über die man auch Zugang zu den Wachräumen des Mühlentorturms erhielt. Ein
Verließ innerhalb des im Mittelalter erbauten und in der Barockzeit
tiefgreifend umgestalteten Mühlentorturms machte den Wachschutz nötig. Da man
den Turm über ein inneres Leitersystem begehbar machen kann, ist bei den
modernen Gaunern und Ganoven von heute also Vorsicht geboten...!
Der Steintorturm, der sich ebenfalls in der Neustadt in
unmittelbarer Nähe zur Stadtschleuse befindet, gilt mit seinen 28,5 Metern und dem kegelförmigen Helm sowie dem
aufgesetzten Zinnenkranz als der mächtigste der 4 noch erhaltenen Tortürme. Er
hat einen beachtlichen Durchmesser von 11 Metern und eine ebenso stolze untere
Mauerstärke von 3,5 Metern.
Der im 15. Jahrhundert erbaute Wehrturm hat seinen Namen
wohl von dem einstmals daneben befindlichen Stadttor, das aus Findlingen
errichtet worden war. Heute dienen die vier überwölbten Geschosse, von denen
drei kamingeheizt waren, als zusätzliche Ausstellungsstätte des Heimatmuseums
im Frey-Haus.
Lassen wir die Neustadt hinter uns und überqueren die Havel
in Richtung der Altstadt. Dort stoßen wir auf den Plauer Torturm. Er wurde
schon um 1400 errichtet und mit Armbrustschlitzen nach allen Seiten versehen.
Das überragende Fachwerkgeschoss mit Kegelhelm und Dachkern konnte nicht
erhalten werden, so dass der Plauer Torturm lange Zeit nur ein 17 Meter hoher runder Stumpf war.
Erst zur Jahrtausendfeier 1928/29 erhielt der Turm einen
expressionistischen Zackenkranz und einen neuen Mauerkegel mit geschmiedetem
Storchennest.
Der Rathenower Torturm ist der älteste erhaltene Turm in
Brandenburg an der Havel, der mehrmals verstärkt und neu verziert wurde sowie
zum Ersatz des hölzernen Abschlusses einen gemauerten Umgang und einen Kegel
mit bekrönender Adlerfigur erhielt. Nach einer Restaurierung 1811 hat man den
Turm 1911 für einen Fußweg durchbrochen. Dieser schützt die Fußgänger auch
heute noch vor dem Verkehr, denn wie der Plauer Torturm steht auch der
Rathenower Torturm seitlich etwas in der Fahrbahn.
So wie früher reichen hier als Besonderheit noch Teile der
alten Stadtbefestigung an den Torturm heran. Dies und auch das Innere jedes
Turms können zum alljährlichen Türme-Tag im September besichtigt und bestaunt
werden. Manch einer mag sich dann wie im
Mittelalter fühlen, wenn man den Blick über Kopfsteinpflaster und die
historischen Dächer der Stadt schweifen lassen kann.
Quellen:
Brandenburg an der Havel - Lexikon zur
Stadtgeschichte, Geiseler, Heß, Berlin 2008
www.kulturportal.maerkischeallgemeine.de