Loriot
Wussten Sie, dass Vicco
von Bülow alias Loriot ein echter Brandenburger ist?
Bernhard
Victor (Vicco) Christoph Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 in
Brandenburg an der Havel geboren und am 30. Dezember desselben Jahres in der St.-Gotthardt-Kirche
unserer Stadt getauft.
Er
entstammt einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht, womit auch sein
Künstlername zu erklären ist: Dieser leitet sich aus dem Wappentier seiner
Familie ab, dem Pirol. Auf Französisch heißt Pirol „Loriot". Diesen Namen hat
er allerdings erst seit der Zeit benutzt, als er Anfang der 1950er Jahre
Cartoons für den Stern gezeichnet hat.
Doch gehen
wir der Reihe nach. Aufgewachsen ist Loriot mit seinem jüngeren Bruder bei der
Großmutter und der Urgroßmutter, bis die Geschwister mit 10 Jahren wieder zu
ihrem Vater nach Berlin zogen. Zusammen ging es 1938 nach Stuttgart, wo Loriot
das humanistische Gymnasium besuchte. Nach seinem dort erstandenen Notabitur
begann er entsprechend der Familientradition eine Offizierslaufbahn, wodurch er
drei Jahre an einem Militäreinsatz an der Ostfront der Sowjetunion beteiligt
war.
1946
erlangte er in Northeim das vollständige Abitur, wonach sein Vater ihm riet, Malerei und Grafik an der
Kunstakademie in Hamburg zu studieren. Dies waren die Ursprünge seiner überaus
erfolgreichen Laufbahn in ganz
Deutschland als Komödiant, Humorist, Schriftsteller, Zeichner, Bühnen- und
Kostümbildner, Schauspieler, Regisseur und Professor für Theaterkunst.
Nach dem
Studienabschluss arbeitete er als Werbegrafiker und erfand das
Knollennasenmännchen. Später folgten Cartoonserien für das Hamburger Magazin Die Straße, die Zeitschrift Stern sowie für Weltbild und Quick.
Viele deutsche Verleger zeigten an der Veröffentlichung seiner Zeichnungen
vorerst kein Interesse. Erst der Diogenes Verlag Zürich sagte zu und brachte
1954 den Cartoonband Auf den Hund
gekommen raus.
Andere
berühmte Werke sind: Loriots Wum und Wendelin, Loriots dramatische Werke, Möpse
und Menschen, Szenen einer Ehe, Herren im Bad oder Das Frühstücksei.
Loriot war
außerdem auch im Fernsehen und auf der Bühne als Schauspieler und Regisseur
sehr erfolgreich. Zahlreiche Auszeichnungen quittieren seine Leistungen. So
gewann er unter anderem die Goldene Kamera (1969 und 1978), den Grimme Preis in
Silber (1973), die Goldene Schallplatte (1973), den Deutschen Kleinkunstpreis
(1979), den Sonderbambi (1993), ...
Alle seine
Werke beschäftigen sich hauptsächlich mit zwischenmenschlichen
Kommunikationsstörungen. Er selbst sagte darüber: „Kommunikationsgestörte
interessieren mich am allermeisten. Alles, was ich als komisch empfinde,
entsteht aus der zerbröselten Kommunikation, aus dem Aneinander-vorbei-reden."
Er
berichtet über das Alltagsleben, Szenen aus der Familie und der bürgerlichen
Gesellschaft und zeigt, dass in jeder normalen Situation etwas Absurdes steckt.
Seine
Cartoons leben vom Kontrast zwischen der dargestellten Situation, der dabei zur
Schau getragenen Würde des Knollennasenmännchens und den Legendentexten.
1993 wurde
Vicco von Bülow zum Ehrenbürger der Stadt Brandenburg an der Havel ernannt. Er ist
verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Ammerland am Starnberger See.
Ebenfalls
1993 rief er in Brandenburg an der Havel eine Stiftung ins Leben, deren Zweck
es ist, kulturelle und mildtätige Belange sowie die Jugendhilfe der Stadt zu
fördern. Durch die Vicco von Bülow-Stiftung werden musische Projekte für
Kinder, Jugendliche und Senioren gefördert sowie Pflege- und
Erhaltungsmaßnahmen für historisch bedeutsame Kunst- und Kulturgüter wahrgenommen.
Als Dank für seine Bemühungen um die Havelstadt
wird die stark geschädigte ehemalige Taufkapelle der St- Gotthardt-Kirche und
ihre Ausstattung restauriert. Für den Ehrenbürger persönlich ist dies „das wohl
schönste Geburtstagsgeschenk" zu seinem 85. Geburtstag.
Kommentare von Lesern:
Kommentar von Karl Gruber | 26-04-2009