Gartenstadt Plaue
Wussten Sie, dass der Brandenburger Stadtteil Plaue zu den bedeutendsten Gartenstädten der Region zählt?
Im Auftrag des Reichsamtes des Innern wurde zwischen 1915
und 1918 die Gartenstadt in Plaue errichtet. Dies war eine Werkssiedlung im
Norden des Plauer Stadtzentrums für die Facharbeiter der Königlichen
Pulverfabrik (im benachbarten Örtchen Kirchmöser), die in landschaftlich
reizvoller Lage auf freiem Feld entstehen sollte.
Da das Bauvorhaben für den damaligen Krieg wichtig war,
erfuhr es besondere finanzielle Unterstützung. Die gerade gegründete
Baugenossenschaft Gartenstadt Plaue eGmbH, deren Zweck die Erbauung von Häusern
zum Vermieten war, bekam daraufhin beträchtliche Subventionen.
Die ursprüngliche Idee einer Gartenstadt stammt von dem
Engländer Ebenezer Howard, der im späten 19. Jahrhundert Gartenstädte als
Lösung der durch zunehmende Industrialisierung hervor gerufenen Wohnprobleme
sah. Er wollte sich abkehren von den übervölkerten Mietwohnvierteln am Rande
der bestehenden Industriestädte und stattdessen in sich autarke Gemeinwesen
gründen, in denen man Arbeiten und Leben in idealer Weise verbinden konnte.
Die Vorstellungen von Howard konnten zwar in ihrer
Komplexität zum Großteil nicht umgesetzt werden und gewannen zudem auch nicht
den von ihm erhofften Einfluss auf die Neuordnung vieler Großstädte. Dennoch
entwickelte sich ein neuer Typ „grüner" Vorstadtsiedlungen, den der damals noch
am Beginn seiner Karriere als Architekt stehende Paul Schmitthenner in seiner
Planung der Gartenstadt Plaue umsetzen wollte: Stadt, Siedlung und Mensch
sollten wieder in Einklang mit der Natur gebracht werden.
Entstanden ist eine geschlossen wirkende Anlage mit
dörflicher Wohnidylle. Die Siedlung ist gekennzeichnet durch überwiegend
eingeschossige Reihenhäuser mit Stallanbauten und dazu gehörigen Nutzgärten.
Verschiedene Grundrisstypen machten es möglich,
unterschiedliche Wohnungsgrößen in einer Häuserzeile zu vereinen. Zur
Abwechslung der 212 entstandenen Gebäude trugen ebenfalls 15 leicht variierende
Haustürformen, 6 unterschiedliche sprossengeteilte Fenstertypen sowie
Giebelelemente, Fledermausgauben, Dachhechte und Klappläden bei.
Die Architektursprache und die Fassadengliederung sind
dem Heimatstil verpflichtet und auch der Siedlungsgrundriss orientierte sich an
den natürlichen Geländeerhebungen und der vorhandenen Wegeführung. Damit gilt
das bedeutende Frühwerk von Paul Schmitthenner (* 1884, Lauterburg/ Elsaß; † 1972,
München) als das Hauptbeispiel der Gartenstadtbewegung im Land Brandenburg.
Die Siedlung entspricht in besonderer Weise dem
zeitgenössischen städtebaulichen Ideal und wurde am 13. Dezember 1992 unter
Denkmalschutz gestellt.
Quellen:
Brandenburg an der Havel - Lexikon zur
Stadtgeschichte, Geiseler, Heß, Berlin 2008