Stadt mit Doppelschildwappen
Wussten Sie, dass Brandenburg an der Havel
eine der wenigen Städte in
Deutschland ist, die ein
Doppelschildwappen besitzt?
Das Wappen der Stadt entstand im Jahre 1715, als sich die
bis dahin eigenständigen Städte Altstadt und Neustadt vereinigten. Bis dahin
hatte jede der beiden Städte ihr eigenes Wappen, das dann in das Gesamtwappen
durch Nebeneinanderstellen der beiden Wappenschilde mit eingebunden wurde. Über
die einzelnen Schilde kam die Königskrone, die als Zeichen der Vereinigung
durch den preußischen König galt.
Bis 1901 bestand das Wappen in der eben beschriebenen und
heute auch wieder gültigen Form. Danach wurde das Stadtsiegel von Brandenburg
an der Havel mehrmals im Aussehen verändert.
Otto Tschirch (1858-1941), ein einflussreicher
Stadtarchivar, Stadthistoriker und Ehrenbürger von Brandenburg an der Havel,
lieferte 1901 Vorgaben an den Berliner Wappenmaler Hildebrandt, nach denen das
Wappen an den Zeitgeschmack angepasst werden sollte. Eingefügt wurde zum
Beispiel die Jahreszahl 1715 als Zeitpunkt der Vereinigung beider Städte.
1929, als die
Jahrtausendfeier vorbereitet wurde, kam es
erneut zu einer Umgestaltung des Wappens. Die Stadtverwaltung überarbeitete es
in der Form, dass an die Stelle der preußischen Krone der brandenburgische
Adler gesetzt wurde. Zudem wurden beide Wappen der Alt- und Neustadt in ein
Schild gepresst. Da das Wappen aber aus heraldischer Sicht (d.h. aus Sicht der
Ahnenforscher und Wappenkundler) nicht gelungen war, blieb es auch nur von 1929
bis 1933 gültig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand das Stadtwappen keine
Anerkennung, weil die Königskrone und der preußische Adler als Symbole
reaktionärer deutscher Geschichte galten. Daher wurde 1950 zu einem Wettbewerb
für ein neues Stadtwappen aufgerufen. Der Vorschlag von
Georg Kaiser, der durch
die Stadtverordnetenversammlung im April 1950 beschlossen wurde, zeigte drei
rote Tortürme (in der Mitte den Steintorturm und außen den Plauer sowie den
Rathenower Torturm), verbunden durch die Stadtmauer.
Das nächste Stadtwappen sollte die neue Zeit dokumentieren.
Auf ihm waren vier rauchende Schornsteine zu sehen, die auf Wellenbalken in den
Stadtfarben Blau, Grün und Silber fußten. Bis zur politischen Wende galt dieses
Wappen.
Erst im Februar 1990 hatte die Stadtverordnetenversammlung (SVV) dann
auf Wunsch vieler Bürger das Wappen von 1901 wieder eingeführt. 1993 entfernte
man, ebenfalls auf Beschluss der SVV, die Jahreszahl 1715, so dass Brandenburg
an der Havel seit dem sein ursprüngliches Wappen wieder hat.
Auf der heraldisch rechten Seite, d.h. in der Draufsicht
links, befindet sich das Schild der Altstadt mit viertürmiger Burg, offenem Tor
und Fallgitter. Heraldisch links, also in der Draufsicht rechts, ist das Schild
der Neustadt zu sehen. Es zeigt eine fünftürmige Burg, in deren Torbogen ein
Gewappneter mit geschultertem Schwert steht, vor sich ein Schild mit dem
roten brandenburgischen Adler. Beide Wappenschilde umfasst eine
Renaissance-Umrahmung, die innen Silber und außen Gold ist. Darüber befindet
sich die Königskrone.
In der
Flagge der Stadt Brandenburg an der Havel finden Sie
auf blauem, silbernem und grünem Grund das Wappen wieder. Über dieses haben Sie
ja nun schon einiges gelernt. Also fehlt nur noch die Erklärung der drei
verschiedenen Stadtfarben: Blau steht hierbei für die Neustadt, Grün für die
Altstadt und das Silber bzw. Weiß dazwischen soll die die Havel abbilden.

Quelle: Brandenburg an der Havel -
Lexikon zur Stadtgeschichte, Geiseler, Heß, Berlin 2008