Stadtmauer

Die Reste der erhalten gebliebenen Stadtbefestigungsanlagen gehören zu den bedeutenden Zeugnissen mittelalterlicher Bauwerke in Brandenburg.

Die im 14. und 15. Jahrhundert entstandenen steinernen Mauern und Wassergräben umgaben die Alt- und die Neustadt zur Abwehr feindlicher Angriffe. Der Zugang in die Städte erfolgte im Mittelalter über die fünf Stadttore. Daneben entstanden zum Schutz der Anlagen die Tortürme. Die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges beschleunigten den Verfall der Stadtbefestigungsanlagen.

Erst mit der Einführung einer neuen Steuer, erhoben an den Stadttoren, erlangten die Mauern und Tore wieder kurzzeitig Bedeutung. Durch den wachsenden Verkehr erwiesen sich die Stadttore als hinderlich und wurden daraufhin im 18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. Hiervon betroffen waren auch große Teile der Stadtmauer. Die entstandenen Lücken wurden teilweise mit Gebäuden geschlossen.

In der Alt- und in der Neustadt sind nur Teile der Stadtmauer und Reste der Befestigungsgräben erhalten geblieben. Bemerkenswert sind die Fragmente östlich des Rathenower Torturmes, am Humboldthain, an der Wassertor- und Grabenstraße, der St.-Annen-Promenade sowie kleine Reste in der Lindenstraße und im Deutschen Dorf.

Steintorturm

Der 28,5 m hohe Steintorturm in der Neustadt, in der Nähe der Stadtschleuse, gilt mit seinem kegelförmigen Helm sowie dem aufgesetzten Zinnenkranz als der größte und mächtigste der Brandenburger Tortürme. Er war Teil der mittelalterlichen Wehranlage der Stadt. Der Durchmesser beträgt 11 m und die untere Mauerstärke 3,5 m, was den Wehrcharakter des Turmes verdeutlicht.

Erbaut wurde der Turm Mitte des 15. Jahrhunderts. Die erste Erwähnung des Steintorturmes ist auf 1433 datiert. Der Name rührt wohl vom archäologisch nachgewiesenen, aus Findlingen errichteten Torbau des 13. Jahrhunderts her.

Die Außenschale, ringsum mit Schraubenmuster aus Sinterziegeln verziert, zeigt feld- und stadtseitig je zwei Kreis- und zwei Wappenblenden. Der reich dekorierte Zinnkranz und der Mauerkegel mit eisernem Adler sind ursprünglich. Im Inneren liegen über einem kuppelgewölbten Verlies, das heute als Eingang geöffnet ist, vier weitere überwölbte Geschosse. Diese sind durch eine in der Wanddicke liegende Treppe zu erreichen. Geschützpforten, weiter oben Büchsen- und Armbrustschlitze, sind charakteristisch für das spätmittelalterliche Prinzip der "vertikalen Verteidigung". Drei Geschosse waren kamingeheizt, das mittlere besitzt einen Abtritterker.

Der anschließende Torbau wurde 1839 abgebrochen. 1886 wurde der Turm restauriert und der Historische Verein erhielt bis 1923 das Recht den Steintorturm für seine Sammlungen zu nutzen. 1993-94 wurde der Turm erneut saniert. Heute dienen die Räumlichkeiten des Turmes als zusätzliche Ausstellungsstätte des Museums "Im Freyhaus".

Rathenower Torturm

Das älteste erhaltene Stadttor Brandenburgs wurde um 1290 vor der Palisade feldseitig als Torhaus mit Zugbrücke begonnen und um 1310 auch stadtseitig ergänzt. Gegen 1320 waren zwei Obergeschosse mit Wappenblenden an den Außenkanten fertiggestellt. Das Betreten des unteren Geschosses des Turmes war nur vom Wehrgang aus über den Boden des ersten Obergeschosses möglich.

Wohl nach 1355, vielleicht als Strafe wegen der Huldigung des "Falschen Waldemar" - ein Betrüger, der sich als der verstorbene Markgraf ausgab - wurde das Tor verschlossen, als Verlies rund ausgemauert und darüber eine gewölbte Geschützkammer eingebaut.

Der Verkehr führt seither neben dem Turm vorbei. Bis um 1380 setzte man zwei weitere, beiderseits mit Wappenfries verzierte Geschosse auf, über denenn ein hölzerner Umgang verlief (eine "Hurde"). Der Aborterker zeigt die Lage der Wachtstube an.

Vor 1582 erfolgte eine nochmalige innere Verstärkung und der Ersatz des hölzernen Abschlusses durch einen gemauerten Umgang und den Kegel mit bekrönender Adlerfigur. Die Restaurierung erfolgte um 1870. Im Jahre 1911 hat man den Turm für den Fußweg durchbrochen. Im Jahre 1945 wurde der Rathenower Torturm von einem Geschütz getroffen. Schließlich folgte 1996 die Sicherung des Turmes.

Der Rathenower Torturm, als Schutz im Norden der Altstadt erbaut, bildet ein unregelmäßiges Viereck. Das 28 m hohe Bauwerk steht mit einem spitzen Kegeldach ebenso wie der Plauer Torturm seitlich etwas in der Fahrbahn. Noch heute reicht die Stadtmauer am Walther-Rathenau-Platz bis an den Rathenower Torturm heran.

Mühlentorturm

Der Mühlentorturm wurde im Jahre 1411 von dem Stettiner Baumeister Nikolaus Kraft errichtet. Der Anschluß an die Stadtmauer ist auf der Westseite, die auf das Tor führende Tür an der Nordseite erkennbar. Der ursprünglich quadratische Sockel ging mit Eckspornen in den achteckigen Schaft über. Dieser trägt allseitig Blenden mit "Stargarder Maßwerk". Er birgt über einem kleinen, überkuppelten Verlies eine rippengewölbte Wächterkammer und zwei Wehrgeschosse mit Schlitzscharten. Die angetroffenen mittelalterlichen Befunde sprechen dafür, dass bei der tiefgreifenden Sanierung im späten 19. Jahrhundert Zinnkranz und Pyramidenhelm nach dem Vorbild des 15. Jahrhunderts rekonstruiert wurden.

Aus Verkehrsgründen wurde das zuletzt barocke Tor auf der Südostseite 1839 abgebrochen und 1864 der Sockel zum Achteck verkleinert, schließlich die Straße auf die Westseite des Turmes verlegt. Nach Kriegsschäden wurde der Turm 1945 instandgesetzt und 2001-2003 saniert.

Neben der äußeren achteckigen Form des Backsteinbaus, einschließlich des Helmkegels, unterscheidet sich das 24 m hohe viergeschossige Bauwerk durch die kirchenfensterähnlichen Mauerwerkblenden auffallend von den anderen Tortürmen.

Wie bei fast allen anderen Tortürmen diente der untere Teil des Turmes als Gefängnis. Der Zugang erfolgte im Mittelalter vom Wehrgang über das Obergeschoss in das Innnere des Turmes. Durch das rechts vom Turm gelegene Mühlentor führte bis 1804 die Handelsstraße nach Berlin.

Plauer Torturm

Wachtürme waren eine Besonderheit brandenburgischer Städte. Der zylindrische, viergeschossige Turm wurde um 1400 errichtet und war mit einem zinnbesetzten Tor verbunden, zu dessen Wehrgang eine Tür führte. Der Anschluss der Stadtmauer ist nordwestseitig erkennbar. Der Turm wurde nach allen Seiten mit Armbrustschlitzen versehen. Der vorragende Abtritt auf der Westseite über dem früheren Graben zeigt die Lage der einstigen Wachtstube an. Den Abschluss bildete ein überragendes Fachwerkgeschoss ("Hurde") mit Kegelhelm und Dachkern.

Lange Zeit war der Plauer Torturm nur ein 17 m hoher runder Stumpf, dessen oberes Fachwerkgeschoss mit dem Kegeldach nicht erhalten werden konnte.

Nach langem Verfall erhielt der Turm 1928/29, anlässlich der Jahrtausendfeier der Stadt, einen expressionistischen Zackenkranz und einen neuen Mauerkegel mit geschmiedetem Storchennest aufgesetzt (restauriert 1985). Weitere Anbauten in romantischem Stil sind jetzt wieder abgebrochen.

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