Zum Erscheinungsbild des Gutsparkes Gollwitz
Erstmals 1375 erwähnt, birgt Gollwitz einen besonderen Reiz. Das Ensemble aus Kirche, Gutshaus und Park, mit der sie umgebenden Havellandschaft, gibt dem Ort ein eigenes Markenzeichen.
Das genossen schon die Gutsherren derer von Rochow, Görne und von Hagen. Das Gutshaus, nach dem Brand 1929 wieder aufgebaut, wurde als Stätte der Begegnung umgebaut.
Im nördlichen Bereich von Gollwitz, hinter dem Herrensitz, erstreckt sich am Rande einer etwas höher gelegenen Sandfläche der Gutspark. Wann genau und von wem er einst angelegt wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden. Da der Vorgängerbau des heutigen Schlosses vermutlich in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts angelegt worden ist, kann auch der Schlosspark Ende des 17. bzw. Anfang des 18. Jahrhunderts angelegt worden sein. Geschmack und Möglichkeiten der folgenden Eigentümer haben die Anlage weiter geformt.
Im 19. und 20. Jahrhundert prägten die Adelsfamilien von dem Hagen und von Rochow die Erscheinungsbilder des Parkes und des Schlosses so, wie sie heute noch zu erkennen sind. Zu DDR-Zeiten wurde die gesamte Anlage des Gutsparks unter Landschaftschutz gestellt. Nach der Wende ist mit der Veröffentlichung des Verzeichnisses der Denkmale des Landkreises Potsdam-Mittelmark vom 24.10.1997 neben der Kirche, dem Herrensitz und dem Speicher auch der Gutspark Gollwitz unter Denkmalschutz gestellt worden.
In einem landschaftlich sehr schönen Gelände ist durch gezielte Anpflanzungen in den letzten Jahrhunderten ein Park entstanden, der eine biologische Besonderheit darstellt. Auf einem relativ kleinen Areal von etwa 4 ha findet der Besucher eine Vielzahl von Gehölzen wie Kastanie, Esche, Ahorn, Platane, Ulme, Weide, Linde, Eiche und Buche.
Einen herrlichen Kontrast zu dem hellen Grün der Laubbäume im Park bildet das dunklere Grün der mehr als 50 Eiben. Die Eibe (Tauxus) ist der älteste Nadelbaum in unserer Gegend. Sie kann bis zu 1.000 Jahre alt werden. Man findet sie im Gollwitzer Park als Baum, Strauch oder Busch gewachsen. Aufgrund ihres so reichen Vorkommens an diesem Ort - sie bilden den größten Eibenbestand im Gebiet des Altkreises Brandenburg einschließlich der Stadt Brandenburg - gelten die Gollwitzer Eiben seit Jahrzehnten als dendrologische Seltenheit.
Davon ausgehend, dass der Gutspark in Einheit mit dem Vorgängerbau des Schlosses angelegt wurde, sind die ältesten Prachtexemplare wenigstens zwei- bis dreihundert Jahre alt.
Parkpflegerische Maßnahmen haben ab 1991 vieles verändert. Von dem alten Wegeverlauf waren bei Beginn dieser Arbeiten nur noch wenige Spuren zu finden. Grabungen erbrachten kaum erkennbare Nachweise. So wurde der Wegebau der Jahre 1997 und 1998 auf der Grundlage dieser dürftigen Quellen und nach Erinnerung geplant.
Von den zu verschiedenen Zeiten im Park errichteten Baulichkeiten finden sich heute fast nur noch Ruinen. Die Ereignisse des Kriegsendes 1945, aber auch spätere mutwillige Zerstörungen, Diebstahl, Unkenntnis und der "Zahn der Zeit" haben das bewirkt.
So verhält es sich mit dem Eiskeller - hier wie auf den meisten Herrensitzen einst wichtiger Bestandteil des anspruchvollen Haushalts. Als dieser nicht mehr existierte und außerdem andere Kühltechnologien Einzug hielten, wurde der Keller mit Schutt verfüllt und der Zugang versperrt. Noch heute spenden eine riesige Sommerlinde und einige Eiben Schatten und Kühle an seinem Platz.
Auch ein unweit gelegener grottenartiger Ziegelbau, früher vielleicht als Sommerlaube genutzt, ist völlig verfallen und mit verschiedenen Materialien verfüllt. Grotten waren als Attraktion, Schattenspender und Spaziergangsziele zeitweise sehr in Mode und Bestandteil zahlreicher Gutsparks.
Ebenso beliebt und verbreitet waren offensichtlich steinerne Tische. Der Steintisch im Gollwitzer Park, mit einem Mühlenstein als Tischplatte, stand einst am nördlichen Entwässerungsgraben. Zusammen mit steinernen Sitzgelegenheiten finden wir ihn heute in der Parkmitte.
Versteckt unter einer Eibengruppe liegt das Grabmal von Georg von dem Hagen, vorgesehener Erbe auf Gollwitz, abgestürzt mit einm Kampfflugzeug am 12.08.1915 über Frankreich. Er wurde mit allen seinen Orden und Ehrengaben in einem gläsernen Sarg an dieser Stelle des Parks beigesetzt. Nach 1945 wurde die Grabstätte mehrmals aufgebrochen und ausgeplündert. Offenbar lockten die Grabbeigaben (u. a. ein versilberter säbel) die Täter an. Dabei wurde auch die Erinnerungsplakette an der Stele zerstört.
Eine schwere Steinplatte lag umgeworfen am Parkausgang Richtung Papillonendamm. Sie sollte vermutlich bei der Gestaltung einer Gedenkstätte für den im Zweiten Weltkrieg gefallenen Jürgen von Rochow Verwendung finden. Auf einem verblichenen Foto aus dem Jahr 1908 ist an einem Sitzplatz eine Stele zu sehen, die eine Putte trägt. Die Trümmer dieses architektonischn Zierrats liegen noch erkennbar beieinander als Zeugen der Vergänglichkeit einstiger Schönheit.
Durch Verwaltungsentscheidungen wurde das Ensemble Schloss - Park getrennt, Baudenkmal und Gartendenkmal haben heute verschiedene Eigentümer. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Sachverhalt nicht auf Dauer im äußeren Erscheinungsbild der beiden Objekte sichtbar wird.
[Quelle: Ortschronist Walter Heine (Verfasser)]
Neben einem schönen Spaziergang durch den Park bietet sich auch ein Spaziergang zur "Krummen Havel" an, ein Nebenzweig der Havel, bei "Insidern" sehr beliebt. Im weiteren Verlauf führt der Weg zur Emster, die hier in die Havel fließt.
Der Schlosspark in Gollwitz, den kaum noch einer als Ausflugsziel kennt, ist noch stiller als im Sommer, ein sehr ruhiger, entspannender Platz zum Durchatmen.