Anton-Saefkow-Allee 22
14772
Brandenburg an der Havel
Tel. 03301-810912
Tel. 03301-200200
Fax. 03301/200201
dokstelle-brb@web.de
http://www.stiftung-bg.de
Öffnungszeiten:
nach Anmeldung Donnerstag und Freitag Vormittag
Musterstrafanstalt der Weimarer Republik
Seit 1820 war Brandenburg an der Havel Standort einer
"Königlich-Preußischen Strafanstalt", die sich in einem im Jahre 1798
als Landesarmenhaus errichteten Gebäude im Zentrum der Stadt befand.
Mit dem Neubau der Strafanstalt Brandenburg-Görden wurde im Jahre 1927
begonnen. Der im Bauhaus-Stil errichtete Gebäudekomplex sollte eine
Musteranstalt für 1.800 männliche Gefangene werden, die moderne
Sicherheitskonzepte mit den Ansprüchen eines humanen Strafvollzuges
verbindet. Die Bauherren bezeichneten die Anlage als "das modernste und
sicherste Zuchthaus Europas". Die endgültige Fertigstellung erfolgte
erst im Jahre 1935.
Haftanstalt der NS-Justiz
Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kamen
politische Häflinge in die "Strafanstalt" Brandenburg, die 1933
zunächst in "Straf- und Sicherungsanstalt" und 1938 in "Zuchthaus und
Sicherungsanstalt Brandenburg-Görden" umbenannt wurde. Im Zuchthaus
Brandenburg waren in erster Linie kriminelle und politische Häftlinge,
die zu langjähriger oder lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt waren,
zum Tode Verurteilte, "Sicherungsverwahrte", Untersuchungsgefangene und
Kriegsgefangene inhaftiert.
Die Einrichtung einer Hinrichtungsstätte im Jahre 1940 steht ebenfalls
im Zusammenhang mit einer kriegsbedingten Verschärfung des
nationalsozialistischen Terrors gegen Widerständigkeit und Verweigerung
in der eigenen Bevölkerung.
Besonders schlechten Haftbedingungen waren Jüdische Gefangene
ausgesetzt. Die jüdischen Gefangenen wurden im Jahre 1942 restlos aus
dem Zuchthaus Brandenburg-Görden in die Konzentrationslager Mauthausen,
Sachsenhausen, Buchenwald u.a. überführt.
Im Zuge der Aufrüstung und während des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich das Zuchthaus zu einem großen Rüstungsbetrieb.
Befreiung
Am 27. April 1945 befreiten sowjetische Truppen das Zuchthaus
Brandenburg-Görden und ließen es am folgenden Tag in Erwartung weiterer
Kampfhandlungen räumen. Zu diesem Zeitpunkt war das Zuchthaus mit ca.
3.600 Häftlingen belegt. Aus den Todeszellen konnten 180 Menschen
befreit werden, die auf die Hinrichtung gewartet hatten.
Das Zuchthaus Brandenburg nach 1945
In den Jahren von 1945 bis 1947 nutzten die sowjetischen
Militärbehörden und der sowjetische Geheimdienst NKWD das Zuchthaus
Brandenburg-Görden zur Internierung von Kollaborateuren (hauptsächlich
Angehörigen der Wlassow-Armee) und als Untersuchungsgefängnis des NKWD
sowie des in Brandenburg tätigen sowjetischen Militärtribunals.
1949/50 nahm die Regierung der DDR die Einrichtung wieder für den
Strafvollzug in Betrieb. Neben vielen kriminellen Häflingen wurden hier
NS-Täter und Kriegsverbrecher, aber auch zahlreiche Regimegegner,
Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Ausreisewillige und Bürgerrechtler
inhaftiert. Das Zuchthaus Brandenbur-Görden galt als eine der
gefürchtetsten Justizvollzugseinrichtungen in der DDR.
1990 wurde die Anlage durch das Justizministerium des Landes Brandenburg übernommen.
"Euthanasie" - Ermordung von Kranken und Behinderten
1940 wurden auf dem Gelände des alten Zuchthauses im Stadtzentrum von
Brandenburg im Rahmen der "Aktion T4" erstmals Psychiatriepatienten in
einer Gaskammer ermordet. Über den freigelegten Fundamenten der Gebäude
befindet sich seit 1997 eine Gedenkstätte. Sieben Tafeln informieren
mit Texten und Bildern über die Geschichte des Ortes.
Hinrichtungsstätte
1940 wurde das Zuchthaus Brandenburg-Görden auch Hinrichtungsstätte. In
einem bis dahin als Garage genutzten Bereich wurden ein Fallbeil und
eine Vorrichtung zur Hinrichtung durch Erhängen installiert.
Nationale Mahn- und Gedenkstätte
Am 27. April 1975, dem 40. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses
Brandenburg-Görden, wurde in den Räumen der ehemaligen
NS-Hinrichtungstätte eine Gedenkstätte eingerichtet. Der
Hinrichtungsraum wurde originalgetreu rekonstruiert. Bei der in der
Gedenkstätte gezeigten Guillotine handelt es sich um ein originales
Fallbeil aus der NS-Zeit, das etwa 1964 in der DDR, wo die Todesstrafe
erst 1987 offiziell abgeschafft wurde, außer Dienst gestellt wurde. Die
tatsächlich in Brandenbrug verwendete Guillotine befindet sich heute im
Deutschen Historischen Museum in Berlin.
Am 01. Januar 1988 wurde durch das Ministerium für Kultur der DDR die
Nationale Mahn- und Gedenkstätte Brandenburg gegründet, die neben
Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen die vierte zentrale
Gedenkstätte in der DDR war.
Ausschlaggebend für dieses groß angelegte Gedenkstättenprojekt mit 76
Planstellen war die Tatsache, dass der damalige Staats- und Parteichef
der DDR, Erich Honecker, von 1936 bis zur Befreiung am 27. April 1945
als politischer Häftling im Zuchthaus Brandenbrug einsaß.
Zur Errichtung des geplanten Museums, das zum 50. Jahrestag der
Befreiung 1995 eröffnet werden sollte, ist es durch die politische
Wende im November 1989 nicht mehr gekommen.
Dokumentationsstelle Brandenburg an der Havel
Im Jahre 1992 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Brandenburg
durch die Landesregierung Brandenburg aufgelöst. Das Archiv, die
Sammlungsbestände und die bereits vorhandenen Dokumentationen wurden
der Grundstock für die Bildung der Dokumentationsstelle, die ihren Sitz
in Räumlichkeiten der heutigen Justizvollzugsanstalt Brandenburg hat
und die Gedenkstätte am ehemaligen Ort der Hinrichtungen betreut.
Die
Dokumentationsstelle Brandenburg betreut die Gedenkräume, pflegt und
erweitert das Archiv und die Sammlungen und führt pädagogische Projekte
mit Schülern und Jugendlichen durch.
| Preise |
pro Führung |
| Gruppenführung (bis 15 Personen) |
€ 15,00 |
| Gruppenführung (bis 30 Personen) |
€ 25,00 |
* Besuche nur nach Anmeldung, da sich die Räume in der heutigen Justizvollzugsanstalt befinden.