Ein Jahrhundert Stahlgeschichte
Die Brandenburger Stahlgeschichte begann im Jahre 1912, als der Siegerländer Rudolf Weber das Gelände zwischen dem Silokanal und der heutigen B1 kaufte. Bereits im Jahre 1914 lieferten zwei Siemens-Martin-Öfen den ersten Stahl aus Brandenburg.
Rudolf Weber musste während des Ersten Weltkrieges seinen Betrieb verkaufen. Der Name Weber-Walzwerk blieb aber bestehen und die Industrieanlage wurde in den 20er und 30er Jahren zu einem der bedeutendsten mitteldeutschen Stahlwerke. Im Zweiten Weltkrieg war es eines der größten Rüstungsbetriebe Brandenburgs. In den Jahren 1945 bis 1947 wurde der Betrieb völlig demontiert.
Der Neuanfang gelang im Februar 1950 mit der Grundsteinlegung für ein neues Stahlwerk an alter Stätte. Nach drei Jahren ragten bereits zehn Schornsteine der Siemens-Martin-Öfen in den Brandenburger Himmel und bis 1967 kamen noch zwei weitere hinzu.
Im Jahre 1980 gingen zwei moderne Elektroöfen in Betrieb. Das Stahl- und Walzwerk Brandenburg wurde mit 2,3 Millionen Tonnen pro Jahr zum größten Rohstahlproduzenten in der DDR. Trotz verschiedenster Sanierungskonzepte war das Siemens-Martin-Stahlwerk nach der Wende 1989 unter den neuen wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr konkurrenzfähig. Im Dezember 1993 erfolgte in Brandenburg der letzte Abstich, andere Werke waren längst dem Abriss zum Opfer gefallen.
Jedes Ende ist ein neuer Anfang!
Das moderne Elektrostahlwerk wurde vom italienischen Stahlunternehmen Riva gekauft und konnte weiter produzieren. Im Siemens-Martin-Werk begann dagegen die Umstrukturierung zu einem Industrie- und Gewerbepark. Ehemalige Stahlwerker rissen "ihren" Betrieb ab und entkernten die riesigen Hallen für die Ansiedlung neuer Unternehmen. Ein Ofen nach dem anderen verschwand und die Zahl der Schornsteine wurde für jeden sichtbar immer weniger.